Kopfarbeit kalkulieren & verkaufen.

Von Honorarjobs zu professioneller Selbständigkeit.

Leseprobe:

"Seien Sie sich eine gute Chefin!

Jede Gründung ist ein Prozess. Wer beruflich selbstständig wird, durchläuft viele Phasen, mal hoch, mal tief, mal mittelmäßig. Dabei geht es niemals nur geradeaus und bergauf. Manchmal kommen Sie richtig ins Schlingern. – Vielleicht hat man Sie aufs Glatteis geführt? – Manchmal geht es durch öde Ebenen. Ein anderes Mal wird Ihnen übel vom Zickzack-Kurs der Serpentinen.

Die eigene Chefin zu werden, verändert die Rolle, die Sie in Ihrem Leben spielen. Und damit wandelt sich nicht selten das Selbstbild. Wahrscheinlich verändert sich Ihre Einstellung zu Geld, Leistung, Selbstdarstellung und Bescheidenheit. Vermutlich verändert sich so manche Beziehung. Manche Freunde gehen, andere kommen. Die meisten Dinge, die mit Ihrem Geschäft zu tun haben, werden sehr wichtig und stellen bisherige Prioritäten in den Schatten. Mal ist die neue Selbst-Positionierung spannender als jeder Krimi, mal wissen Sie gar nicht mehr, wo es lang gehen soll.

Halten Sie sich deshalb nicht für unfähig. Den meisten Menschen geht es nicht anders. Nur drüber sprechen, ... – das tut man eben nicht. Leider, denn Verschweigen erhöht den Leidensdruck und die Angst vorm Scheitern. Vielleicht wird es finanziell zuweilen richtig eng. Auch das ist alles andere als ungewöhnlich. Vielleicht sehnen Sie sich eines Tages so sehr nach langfristiger ökonomischer Sicherheit, wie Sie es sich früher niemals hätten träumen lassen. Auch damit stehen Sie nicht allein.

Das Leben ist selten so klar strukturiert, wie es der neudeutsche Business-Plan nahe legt. Anstelle der modellhaft linearen Entwicklung nach oben sind wir mit dem Wechsel von Struktur und Chaos konfrontiert. Selbstständig arbeiten heißt vor allem auch: sich permanent und immer wieder selbst Orientierung zu geben. Dabei helfen neben guten FreundInnen auch bessere Bücher als die, die einen Mythos nach dem nächsten Tabu reproduzieren.

Wir leben in einer recht erfolgswütigen Kultur, in der die Möglichkeit zu scheitern weitgehend tabuisiert wird. Stattdessen suchen wir einen Superstar nach dem anderen. Kombiniert mit den beschriebenen Mythen ist die Verführung groß, sich eigene Patzer kaum einzugestehen. Verdrängung und Leugnung sind aber schlechte Berater, wenn es darum geht, seinen Platz im wahren (Geschäfts-) Leben zu finden.

Wenn es also hier und da oder sogar insgesamt nicht klappen sollte: Lernen Sie daraus, wie es besser geht, und seien Sie ebenso großzügig wie kritisch mit sich selbst. Gönnen Sie sich, auch mal Fehler zu machen, ohne internes Donnerwetter und ohne rosarote Wölkchen.

Seien Sie einfach eine nette Chefin zu sich selbst; eine, die bewusst handelt und Sie konstruktiv kritisiert, die Ihre Talente fördert und in Schwachpunkten eher Entwicklungspotenziale sieht, die klare Grenzen setzt und über Spielräume verhandelt; eine, die hinter Ihnen steht und sich notfalls auch mal vor Sie stellt und die weiß, dass Sie am meisten von Ihnen hat, wenn Ihre berufliche Aufgabe und Ihre Persönlichkeit optimal zusammenpassen. Und (be-)hüten Sie sich davor, perfekt zu sein ...

 

Zehn alte und neue Hüte für das freiberufliche Überleben

  • Hüten Sie sich vor dem Appetit der Kunden auf köstliche Leistung zu faden Preisen. Die Verführung, zumindest ein kleines Bisschen zu verdienen, genügt nicht, wenn es einen großen Happen kostet.

  • Hüten Sie sich davor, Ihre Ressourcen zu verkennen: Berechnen Sie Ihre Wissens-Werte und die spürbaren Vorteile für die Kundschaft.

  • Hüten Sie sich vor jedem Kurz-mal-Eben. Kalkulieren Sie Ihre Aufträge mit allem Drum und Dran. Schnell ist billiger, aber kaum besser. Tragen Sie Ihren Teil zur Entschleunigung bei.

  • Hüten Sie sich vor Omnipotenz-Fantasien aller Art! Tun Sie, was Sie können, für Ihren Ruf und Ihren Umsatz. Aber glauben Sie nicht, Sie seien allmächtig. Kundschaft, Konjunktur und Wettbewerberinnen funken Ihnen beim Schmieden des Glücks ganz ungefragt dazwischen.

  • Hüten Sie sich vor denen, die sagen, Sie müssten alles auf die Service-Karte setzen. Wahrscheinlich haben Sie ein viel besseres Blatt in der Hand. Service ist nur ein As, das Sie zum Gewinnen brauchen.

  • Hüten Sie sich vor Fettnäpfchen und davor, Ihren Kundinnen auf die Füße zu treten. Aber wenn Sie vor lauter Fett und fremden Füßen Ihren eigenen Standpunkt verlieren, suchen Sie sich lieber ein besseres Feld!

  • Hüten Sie Ihre Gefühle wie einen Schatz, auch solche, die weh tun. Alle Menschen haben ‚Schatten-Gefühle’, Sie selbst und Ihre KundInnen auch.

  • Hüten Sie sich davor, den Bedarf der Kundschaft an klaren Grenzen zu unterschätzen. Verdeutlichen Sie, welche Erwartungen und Wünsche Sie erfüllen können und welche nicht, und was Sie benötigen, um einen Auftrag zu erledigen.

  • Hüten Sie sich davor, das Bedürfnis der Kunden nach klaren Grenzen zu überschätzen. Wenn es nur so einfach wäre!

  • Hüten Sie sich vor vordergründigen Wahrheiten. Hinter den Kulissen wird entschieden und inszeniert, auf der Bühne nur gespielt."

 
Zum Schluss ein historischer Hinweis für die Schäppchensucher in uns allen:

Vom Billigsten und vom Besten

„Es ist unklug zu viel zu zahlen. Aber es ist schlimmer, zu wenig zu zahlen.
Wenn Sie zu viel zahlen, verlieren Sie Geld – das ist alles.
Wenn Sie zu wenig zahlen, verlieren Sie manchmal alles. Weil das, was Sie gekauft haben, nicht in der Lage ist, das zu tun, wofür es gekauft wurde.
Das Gesetz vom Gleichgewicht der Wirtschaft untersagt es, wenig zu zahlen, um viel zu bekommen – das ist unmöglich.
Wenn Sie mit dem niedrigsten Anbieter Geschäfte machen, ist es ratsam, etwas für das Risiko einzukalkulieren, das Sie eingehen. Und wenn Sie das tun, haben Sie genug, um für etwas Besseres zu zahlen.“
(John Ruskin, 1829 – 1900).


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